Warum sind eBook-Reader so teuer?

Hallo Ihr Lieben, ich habe mal eine wirklich ernst gemeinte Frage, auch wenn diese Euch merkwürdig vorkommen mag:
Warum sind 6" Ebook Reader mit akzeptablen Paperwhite Display so teuer?
Ich las bisher auf meinem Huawei Mate 7 Smartphone (6" Display) eBooks. Bei Tageslicht natürlich nicht optimal aber mit schwarzen Hintergrund garnicht so schlecht - auch Nachts im Bett nicht so sehr strapazierend für die Augen (die Batterie dieses Handys hält sowieso sehr lange, auch beim sundenlangem lesen am Strand etc.). Natürlich verstehe ich nur zu gut, dass ein Paperwhite Display eine buchähnliche Qualität bietet, welche ungleich mehr Lesegenuß bietet, weshalb es mich momentan auch sehr interessiert. Aber: bei ähnlich großem Display, super langsamer Performance (besonders bei PDFs, welche auf den eBook-Reader scheinbar eh kaum skalierbar sind) finde ich den Preis abartig...auch wenn vielleicht das Display eine besondere Technologie darstellt - mit Hintergrundbeleuchtung hält auch die Batterie nicht sehr lange und der Speicher ist ebenfalls gering.
Ich möchte ja so gerne einen eBook-Reader kaufen (mindestens 7 Zoll - Oasis oder Aura One) und habe auch schon wirklich viele eBooks (epubs welche ich mit Calibre ggf. auf den Kindle konvertieren würde) aber lohnt sich das denn für einen durchschnitts-freizeit-Leser wirklich und wird bei dieser sehr limitierten Technologie der Preis (besonders der kleinen 6" Reader) nicht bald massiv fallen? Lese ich ggf. mit einem eBook-Reader auch mehr?

Danke im voraus für all Eure Meinungen dazu und nicht ärgern über meine etwas "verstörende" Betrachtung... (^-^)

Kommentare

  • MichaelMichael Herausgeber
    bearbeitet 24. Januar
    Warum sind 6" Ebook Reader mit akzeptablen Paperwhite Display so teuer?
    Erstmal zu den Begrifflichkeiten: Paperwhite ist ein Markenbegriff von Amazon und der hat nichts mit den Eigenschaften des Displays zu tun. Die kommen nämlich bei allen eReadern vom gleichen Hersteller namens "E Ink Corporation".

    Zum Preis: Das teuerste an einem eReader ist das Display, da es nicht in solchen Massen hergestellt wird, wie beispielsweise Displays für Smartphones. Das liegt daran, dass vergleichsweise wenige eReader verkauft werden. Der eBookmarkt macht derzeit etwa 5-6% des gesamten Buchmarktes aus und dort sind bereits die Leser eingerechnet, die eBooks auch am Tablet oder Smartphone lesen. PocketBook beispielsweise als viertgrößter Hersteller von eReadern ist seit 10 Jahren am Markt und hat in der Zeit rund 4 Millionen Geräte verkauft. Im Vergleich dazu wurden 2015 allein in Deutschland 1,77 Millionen Smartphones verkauft.

    Selbst heutzutage sind die beleuchteten Displays mitnichten perfekt, wie die verschiedenen Tests immer wieder zeigen. Um die besten Displays zu bekommen, muss der eReaderhersteller dem Displayhersteller die besten Displays abkaufen, die natürlich wieder teurer sind, als die Standardbildschirme. Dazu kommt, dass die neuen 7" - 7,8" noch weniger verfügbar sind, was deren Preis wieder in die Höhe treibt.

    Neben den Displays müssen natürlich auch die Geräte entwickelt und gepflegt werden. Wie gute die langfristige Softwareunterstützung funktioniert, sieht man an den vier großen Herstellern (Amazon, Tolino, Kobo und PocketBook), wie schlecht im Gegensatz an den ganzen freien Androiden (Energy Sistem, Icarus, etc..). Während die Reader der ersteren mehrere Firmwareupdates pro Jahr erhalten, siehts bei den letzteren eher schlecht aus. Diese Softwareentwicklung fließt natürlich auch in den Verkaufspreis mit ein.

    Und zu guter Letzt: Die Preise der eReader sind mittlerweile auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau angekommen. Vor rund sechs Jahren kostete ein eReader im Schnitt 150 €, lag vom Ausstattungsniveau aber auf dem Level der heutigen Einsteigergeräte. Also 167-ppi-Display (im Gegesatz zu 300 ppi heute), keine Beleuchtung, von Helligkeitssensoren oder Nachtlichtern ganz zu schweigen. So gesehen, sind die Preise schon ne ganze Ecke gefallen.
    Lese ich ggf. mit einem eBook-Reader auch mehr?
    Das wird möglicherweise am Anfang so sein. Die Entscheidung für oder gegen einen eReader kannst du nur allein treffen.
  • bearbeitet 25. Januar
    Danke Michael, das ist eine sehr detaillierte und hilfreiche Antwort. Ich habe ein YouTube Video-Vergleich zur Lesbarkeit von IPS-Tablets zu E-Ink Readern gesehen und war natürlich recht beeindruckt über die überlegende Lesbarkeit von E-Ink Displays im Tageslicht.

    Wie gesagt ist der Preis (auch wenn die Technologie mittlerweile recht ausgereift ist) gemessen an der limitierten Funktionalität recht hoch - andererseits qualitativ für die eigentliche Aufgabe konkurrenzlos & somit preislich angemessen. Leider wird man somit im Urlaub neben eBook-Reader ein (großes) Smartphone haben wollen, um dann noch aktuelle Magazine und Websites im Internet anschauen zu können. Naja, die eierlegende Wollmilcheiersau gibt es dann demnächst (^-^).

    Wenn ich mir also ein eReader vor dem nächsten (Oster)-Urlaub kaufe, dann bestimmt kein 6", da ich mittlerweile eh eine Lesebrille brauche, und wenn schon dann ein Taschenbuch-ähnliches Leseerlebnis möchte (also 7-8")...mal sehen, welchen ich günstig bekommen werde.

    Danke nochmals, die Erklärung war wirklich gut!

    lg,
    der musikhörer (^-^)~~~
  • Am Anfang habe ich mich auch gewundert, wie teuer die Ebook-Reader sind - egal von welchem Hersteller. Für mich war der Grund einen anzuschaffen, nur für den Urlaub und ich wollte da nicht noch ein, zwei Bücher mitschleppen. Der große Vorteil für mich, da kann ich mehrere Bücher drauf mitnehmen und wenn mir eines doch nicht so zusagt, eben das nächste lesen. Außerdem recht praktisch um eine Bedienungsanleitung als pdf mitzunehmen, falls man sich eine neue Kamera oder ähnliches zugelegt hat. Da gucke ich auch zu Hause ab und zu mal rein und das reicht mir auch in der Reader-Qualität.

    Ob ich mir nun unbedingt einen größeren als 6-Zoll zulegen würde... eher nicht. Die sind mir dann doch zu riesig. Im Elektronikmarkt meines Vertrauens mal einen Kindle von Amazon in der Hand gehalten und der war mir dann zu riesig. Da geht es mir wie bei den immer größer werdenden Smartphones: meine Hand ist leider nicht mitgewachsen. Ich habe mir vor einigen Jahren einen weißen Pocketbook Touch (den ohne HD und ohne Beleuchtung) zugelegt und vor kurzem dann einen roten Touch HD (leider die Version 1, aber eben schon mit Beleuchtung) gekauft. Leider nur deshalb, weil ich keine dunklen mag und nun kommt die Version 2 doch noch in rot... :neutral:

    Für die Schriftgröße - bin auch in dem Alter wo es anfängt mit Lesebrille - habe ich die einfach im Menü für mich vergrößert und funktioniert bei den üblichen E-Books recht gut. Ob die Bücher dann eben einige Seiten mehr haben, ist mir relativ egal. Deshalb würde ich nicht zum 7 oder 8-Zöller greifen, nur wegen der Schriftgröße.

    Ob dieser oder jener Hersteller, war mir letztlich egal. Habe mich für Pocketbook entschieden, weil es erstmal andere Farben als das übliche Schwarz gibt und die Modelle Blättertasten haben. Außerdem wollte ich einen abseits von Amazon haben, um da nicht in deren Ökosystem "gefesselt" zu sein. Hauptgrund für den "Aufstieg" im Modell war die Beleuchtung und dann eben die 300ppi. Den Unterschied sieht man deutlich, selbst wenn man den Seitenaufbau nach jeder Seite einstellt.

    Was mich anfangs auch sehr verwundert hat, wie preisstabil die sind. Einen Gebrauchtmarkt mit günstigen "Ramschpreisen" existiert auf ebay und Co. praktisch nicht oder zumindest nicht so günstig im Verhältnis vom Neupreis wie bei Smartphones und Tablets. Wenn man etwas sparen will: es gibt auf ebay Händler die B-Ware oder Retourenware aus den 14-Tage-Rücksendungen anbieten. Der erste Pocketbook den ich da gekauft habe, war so einer und den gab es für etwas mehr als die Hälfte vom Neupreis. Verpackt noch wie nagelneu im Originalkarton und nagelneu war er dann auch. Einfach mal danach gucken.
  • Hier meine Erfahrungen: Ich hatte in vor-Smartphone-Zeiten eigentlich immer ein Taschenbuch dabei. Nach kurzer Zeit mit Smartphone habe ich dann fast nur noch darauf gelesen. Das war glaube ich ein 3.7-Zoll-Display... (HTC Desire).

    Irgendwann hatte ich zum Zeitunglesen ein 7-Zoll-Tablett und habe dann mehr darauf gelesen und war auch damit zufrieden. Dann gab es mal wieder einen Paperwhite günstig bei Amazon und seither würde ich nur notfalls wieder auf einem anderen Display längere Texte lesen. Der Akku hält trotz Hintergrundbeleuchtung sehr viel länger als bei den anderen Geräten, und das auch noch nach Jahren. Bisher war mir der Paperwhite auch noch nicht zu klein. Ich habe allerdings mit der Schriftgröße auch (noch...) keine Probleme. Über ein größeres Display würde ich nur nachdenken, wenn der Paperwhite kaputt ginge und der Aufpreis gering wäre. In das Seitenfach meiner Handtasche würde er aber dann nicht mehr passen... Wirklich brauchen könnte ich ein größeres Display nur für pdf, also die Tageszeitung, und da geht nichts über ein 10-Zoll-Tablett.

    Die Bindung an Amazon hat mich anfangs abgeschreckt, aber ich habe bisher noch jedes Dokument umgewandelt bekommen. Derzeit lese ich mich durch englische Klassiker, die ohnehin fast überall fast oder ganz kostenlos erhältlich sind, und das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen...

    Fazit: Der Paperwhite ist jetzt gut 3 Jahre alt und war sein Geld wert. Ich könnte bzw. wollte nicht mehr ohne. Wenn er den Geist aufgibt, wird er ersetzt. Bisher können die neuen Geräte noch nichts, was mich zu einer vorzeitigen Neuanschaffung treiben würde. Die Vorteile sind nach wie vor das E-Ink-Display mit Hintergrundbeleuchtung, die Akkulaufzeit und das geringe Gewicht, und das liefert auch mein "altes" Gerät.
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